“Remote Leadership” – was Führungskräfte dazu wissen müssen! Teil 2 von 6

von Klaus-Peter Esser und Steffen Neiß:

Teil 2: Die eigentlichen Herausforderungen von “Remote Führen” – Von der Macht der Bindung

 Remote Führen ist für viele Menschen schon lange Wirklichkeit. Organisationen sind räumlich verteilt, z.T. über den ganzen Globus, und arbeiten dennoch an einer gemeinsamen Aufgabe. Hier hat sich in den letzten Jahren eine dramatische Veränderung der Arbeitsbedingungen ergeben. Die räumliche Entfernung wird z.T. sehr effizient über moderne Kommunikationswege überbrückt und macht Arbeitsweisen möglich, die noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen wären. Man denke nur an die Softwareentwicklung, die während der 24 Stunden eines Tages von einem Kontinent zum nächsten Richtung Westen “weitergereicht” wird, damit sie in Minimalzeit fertiggestellt werden kann.

 Durch die weltweite Pandemie hat sich dieser Wandel durch Lockdowns auch ausgeweitet auf praktisch alle Organisationen, die es bisher gewohnt waren, in relativ großer räumlicher Nähe zueinander zu arbeiten. Der Wandel von räumlicher Präsenz zu räumlicher Distanz ist deshalb die große Herausforderung für alle Beteiligten, seien es Führungskräfte oder Mitarbeiter oder das gesamte Unternehmen oder die Teams.

Die räumliche Nähe ließ früher Spontaneität, gegenseitigen Kontakt, einfache Abstimmung und Zugehörigkeitsgefühl zu. Das natürliche menschliche Bedürfnis nach Bindung wurde quasi unmerklich gestillt. Und da, wo arbeitsbedingt schon immer Entfernung ein Faktor war, wie z.B. in Außendienstorganisationen, wurde in der Regel mehr Wert auf identifikationsstiftende Aktivitäten und Veranstaltungen gelegt als in anderen Bereichen.

Und wenn es mal wichtig erschien, bestimmte Dinge zu klären, sich zu einigen oder auch Missverständnisse aus dem Weg zu räumen, dann traf man sich, saß zusammen an einem Tisch oder begegnete sich z.B. im Workshop. Das hat sich schlagartig geändert. Die Nicht-Begegnung im realen Raum stellt die zentrale zusätzliche Herausforderung für Remote Leadership dar.

Negative Auswirkung der fehlenden Begegnungsmöglichkeit wie Isolation, Bindungsverlust und Identifikationsverlust, sowie der Verlust an Kreativität durch fehlende Spontaneität und z.T. auch Kontrollverlust müssen erkannt und vermieden werden. Die große Kraft von räumlicher Nähe in Verbindung mit der Möglichkeit, diese bei Bedarf herzustellen, wenn es anders nicht ging, ist erst durch ihren Wegfall so richtig deutlich geworden. Wie so oft im Leben schätzen wir Dinge erst wirklich, wenn sie uns weggenommen werden.

Die große Herausforderung für Führungskräfte und Organisationen ist Nähe (= Bindung) trotz Entfernung herzustellen, um die Gefahr von Isolation zu vermeiden.

Isolation bei bindungsorientierten Menschen führt zu Einsamkeit, dem Gefühl nicht dazuzugehören und löst Demotivation und Desidentifikation aus. Isolation bei nicht bindungsorientierten (autonomen) Menschen führt zu Egoismen, Nichtberücksichtigen anderer (als der eigenen) Interessen, setzt möglicherweise eigene Ziele vor die gemeinsamen Ziele des Teams oder der Organisation.

Das bekannte Eisberg-Modell erfährt bei Remote Leadership noch eine wesentliche Präzisierung um BINDUNG (auf der Soft-Fact-orientierten “Unterwasser-Ebene”, die natürlich immer schon “stillschweigend” Teil des Bildes war, jetzt aber durch ihren quasi Wegfall explizit betrachtet und gestaltet werden muss:

Es ergibt sich also ein erweitertes Feld zusätzlicher Aufgaben und Kompetenzen für die Führungskraft heute.

Welches diese sind, erfahren Sie in unseren nächsten Blöcken, Teil 3 bis Teil 6.

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